2009 Vor 880 Jahren Beilsteiner Ersterwähnung.
Der Ort Beilstein, bzw. ein Burgbesitzer aus Beilstein wurde im Jahre 1129 erstmals urkundlich erwähnt. Aus diesem Grund ist hier eine kurze Geschichte von Burg und Herrschaft Beilstein, die auch überregional eine Rolle spielten als ausdruckbare Datei zusammengestellt.
Beilstein, ein geschichtlicher Überblick
Der heutige Ort Beilstein, Verwaltungsmittelpunkt der Gemeinde Greifenstein, besteht eigentlich aus drei Dörfern, Beilstein, Wallendorf und Haiern, die aber schon lange zusammengewachsen sind. Haiern, das 1313 erstmals erwähnt wurde, kam erst 1940 zu Beilstein und war bis dahin selbständig.
Der älteste Ortsteil ist Wallendorf, das erstmals 774 zusammen mit Holzhausen und Allendorf in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorch erwähnt wurde. Dieser Ortsteil war lange Zeit Kirchspielort mit Kirche, (bis 1617, bis 1840 Friedhofskapelle, dann abgerissen) Pfarrhaus (bis 1960) und Friedhof (bis 1908), auf dem auch die Toten aus Rodenroth beerdigt wurden. Noch heute heißt ein Verbindungsweg von Rodenrothnach Beilstein "der Totenweg". Im dreissigjährigen Krieg wurde Wallendorf wie Beilstein mehrfach geplündert und weitgehend zerstört, die meisten Einwohner flüchteten in die Sicherheit der Burg Greifenstein, wurden dort aber Opfer der Pest. Seit damals bestand der Ort nur noch aus wenigen Häusern.
Beilstein selbst wird erstmals 1129 erwähnt, wobei die Herren von Beilstein wohl eine begüterte Adelssippe waren, die im Zuge von Erbteilungen ihres Besitzes auch die Burgen von Greifenstein und Lichtenstein (Ruine über der Ulmtalsperre) erbauten. Diese beiden Burgen wurden aber 1298 zerstört, weil sie zu Raubritternestern geworden waren. Beilstein dagegen erhielt schon am 18. Februar 1321, also noch vor Dillenburg, die Stadtrechte. Es war ab 1341, mit Gründung der Grafschaft Nassau-Beilstein, das Verwaltungszentrum des östlichen Westerwaldes. Die Grafschaft bestand bis 1561 und war nochmals von 1607 bis 1620 selbständige Herrschaft unter Georg von Nassau. In dieser Zeit wurde das Schloß ausgebaut und die Schloßkirche als Ersatz für die Kirche in Wallendorf erbaut (1616). Die niederländische Königin trägt als Nachfahrin dieser Nassauer Linie noch den Titel "Herrin von Beilstein"!
Die Stadtrechte erloschen im dreißigjährigen Krieg, das Schloß verfiel und wurde 1812 als Baumaterial an die Rabenscheider verkauft, deren Dorf abgebrannt war. Die Zehntscheuer stürzte erst im Winter 1963 ein. Inzwischen sind das renovierte Schloss, das Torhaus und die neuerbaute Zehntscheuer im Privatbesitz und dienen als Wohnheim für behinderte junge Leute.
Aus dem Stadtrecht leitete sich auch ein Marktrecht her, und noch im 18. Jhdt wird von einem jährlichen Wollmarkt zu Johanni berichtet. Diese Tradition wurde 1986 vom Heimat- und Geschichtsverein wieder belebt, der die Marktrechte neu beantragte.. Seitdem organisiert der Verein den alljährlichen Woll- und Krammarkt in Beilstein, der derzeit jeweils am 1. Sonntag im Juli durchgeführt wird.
Über die Jahrhunderte war Beilstein vor allem landwirtschaftlich geprägt, Handel und Gewerbe erlangten keine Bedeutung über den Ort hinaus. Erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Bodenschätze genutzt. 1906 wurde die Tongrube "Rassel" eröffnet, 1907 folgte der Basaltsteinbruch an der Beilsteiner Ley. Seit 1925 wird auch an der Schmalburg Basalt abgebaut und die Tongrube Hermann besteht seit 1926. Zeitweise gab es noch mehrere Steinbrüche und Tongruben in der Gemarkung, die aber heute verschwunden sind. Alle diese Bodenschätze wurden über die 1925 fertiggestellte Bahnlinie in Richtung Lahntal und weiter abtransportiert. Andere Gewerbe haben sich angesiedelt, aber noch immer finden viele Menschen ihren Unterhalt ausserhalb der Gemeinde, zumal die Landwirtschaft als Erwerbsquelle weitgehend verschwunden ist.
(© 2006 Klaus Schmidt).
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Auszüge aus der Amtbeschreibung von 1783
Im Jahr 1783 verfasste der Beilsteiner Amtmann Chelius ein Beschreibung des Amtes Beilstein in 22 Kapiteln mit einem Anhang "Physikalische Beschreibung des Amtes". Das Amt Beilstein reichte damals auf dem Westerwald bis Marienberg und Langenbach. In Münchhausen bildete der Ulmbach die Grenze zum benachbarten Amt Driedorf, das zu Nassau-Dillenburg gehörte, wodurch dieser Ort verwaltungsmäßig in zwei Teile getrennt war. Das Original dieser Amtbeschreibung liegt im Staatsarchiv in Den Haag, denn die Niederländische Königin trägt als Nachfahrin der Linie von Nassau-Diez noch den Titel "Herrin von Beilstein".
Eine Kopie dieser Amtsbeschreibung befindet sich im Archiv des Beilsteiner Heimat und Geschichtsvereins. Der Archivar Ewald Heuser hat im Lauf der Jahre etliche Abschnitte der Handschrift übertragen, wobei er die alte Schreibweise weitgehend beibehielt.
Aus dem Anhang stammt der folgende Abschnitt über das Wetter, der uns in Zeiten der Klimaerwärmung und der schneearmen Winter sagenhaft vorkommt.
Dort schreibt Chelius:
Noch etwas von dem Schnee zu bemerken, solcher ist bey uns, besonders in denen Ober-Kirchspieln so häufig, und will man die Wahrheit behaupten, das der Schnee zu Neukirch jezuweilen so tief gelegen, das man unter demselben Gänge gemacht hat, aus denen man aus denen Häusern in die Ställe gehen musste. Dies sit einmal gewiß, dass dem vorigen Pfarrer, nach seiner eigenen Erzählung einstmalen die Fenster an seiner Wohnstube zugeschnien gewesen, und er lange im Bette den Tag vergebens erwartet, endlich aufgestanden seye, und mit Erstaunen wahrgenommen habe, dass der Schnee das Eindringen des Tages Lichts verhindert habe. Die Fenster sind doch wenigstens 8 Fus* hoch von der Erde. Es vergehet auch kein Jahr, dass nicht Leute im Schnee stecken bleiben und darinn umkommen, dem allem ohngeachtet sind unsere Westerwälder guten Muths, und würden ihre Heimat schwerlich gegen eine mildere Gegend vertauschen.
* Anmerkung: 8 Fuß entsprechen etwa 2,50 Meter
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